Frauen können keine Klimmzüge. Das ist ein Dogma, dass sich in den Köpfen vieler Athleten festgesetzt hat und das mittlerweile sogar dafür sorgt, dass weibliche Anwärter für eine Ausbildung bei den amerikanischen Navy Seals keinen Klimmzug mehr schaffen müssen.

Aber wie kommt es zu dieser Meinung? Wenn selbst für die Aufnahme in eine militärische Spezialeinheit eine Frau keinen Klimmzug schaffen muss, sind Pullups dann für Frauen tatsächlich unmöglich?

Das ist natürlich Unsinn – denn immerhin gibt es genug Athletinnen, die das Gegenteil beweisen.

Die Frage ist deshalb viel eher: Wieso fallen Frauen die besagten Pullups so schwer – und wie schaffen sie trotzdem einen?

Der Körperbau ist Schuld

Das ist zumindest einer der Gründe – und der leuchtet schon auf den ersten Blick ein. Männer haben den großen Vorteil, dass ihr Oberkörper deutlich kräftiger ist. Kein Wunder in Anbetracht der Tatsache, dass ein breiter Rücken seit jeher das Zeichen für Männlichkeit ist.

Frauen dagegen haben es mehr in den Beinen. Ihr Rücken, ihre Arme und Schultern dagegen sind eher schwach ausgeprägt. Das ist ein Zustand, der von Natur aus festgelegt ist – der aber mit konsequentem Training zu ändern ist.

Einige Sportler sind der Meinung, dass der tieferliegende Körperschwerpunkt bei Frauen mit dafür verantwortlich ist, dass sie sich mit Klimmzügen zu schwer tun. Diese These ist allerdings recht umstritten – denn das Gewicht muss schließlich so oder so an der Stange nach oben bewegt werden, egal wo der Schwerpunkt liegt.

Auf den Punkt mit dem unterschiedlichen Körperbau können wir uns aber einigen – denn eine stärker ausgeprägt Oberkörpermuskulatur bei verhältnismäßig weniger Gewicht in den Beinen sorgt nunmal für einen starken Vorteil.

Das Körperfett ist Schuld

Auch hier unterscheiden sich Männer und Frauen. Denn von Natur aus ist der Körperfettanteil der Frauen im Schnitt etwa 10% höher als bei Männern – logisch, immerhin mussten Männer in den Anfängen der Menschheit Jagen, während Frauen Kinder gebaren und versorgten.

Auch, wenn wir heute keine Mammuts mehr in die Höhle zerren, hat sich die genetische Veranlagung zum höheren Körperfettanteil bei Frauen nicht geändert.

Und natürlich ist es schwieriger, sich mit einem hohen Körperfettanteil über die Stange zu ziehen. Problematisch ist dabei vor allem das Verhältnis von Muskelmasse und dem Rest des Körpers – Frauen verfügen über vergleichsweise wenig Muskeln und haben deshalb bei allen Körpergewichtsübungen mehr zu kämpfen als Männer.

Die fehlende Motivation ist Schuld

Bist du eine Frau und fragst dich, wieso du einfach keinen Klimmzug schaffst? Dann solltest du dir noch eine weitere Frage stellen:

Ist dir der Klimmzug wirklich wichtig?
Für Männer ist es eine regelrechte Katastrophe, wenn sie keinen Klimmzug schaffen – denn wie oben angesprochen gilt ein breites Kreuz eben als männlich. Und was symbolisiert die Stärke des Rückens mehr als Klimmzüge?

Für Frauen dagegen fehlt häufig der Anreiz – schließlich sind Komplimente für ihre im Bauch-Beine-Po-Kurs bearbeiteten Körperteile häufiger als nette Worte über einen breiten Rücken.

Im Gegenteil: Viele Frauen fürchten sich sogar, durch Klimmzüge ein breites, „männliches“ Kreuz zu bekommen. Da können wir aber gleich beruhigend entgegenwirken: Der weibliche Körper ist nicht darauf ausgelegt, einen so breiten Rücken zu bekommen wie ein Mann – dazu fehlt nicht nur die knöcherne Voraussetzung, sondern auch die nötige Menge Testosteron.

Du solltest dir deshalb noch einmal überlegen, wieso dir ein Klimmzug wirklich wichtig ist – denn nur, wenn du es wirklich willst, wirst du als Frau einen Pullup schaffen.

Wir kennen jetzt also die Probleme, die Frau auf dem Weg zum ersten Klimmzug begegnen werden – es wird Zeit, die Lösung kennenzulernen:

Geduld ist der Schlüssel zum Erfolg

Ja, was ein blöder Tipp. Und wie wahr! Als Frau musst du dich einfach etwas länger gedulden, bis du deinen ersten Klimmzug schaffst. Denn du baust deutlich langsamer Kraft und Muskelmasse auf als Männer und wirst deshalb eine Zeit brauchen, bis du dich das erste mal ohne Hilfe über die Stange ziehen kannst.

Das sollte dich aber natürlich nicht abhalten – denn Geduld ist nunmal eine der wichtigsten Eigenschaften, die du beim Sport mitbringen solltest. Der Weg zum ersten Pullup unterscheidet sich dann aber gar nicht so drastisch von dem, den die Herren der Schöpfung gehen:

Am Anfang brauchst du Unterstützung!

Und die findest du in zahlreichen Facetten: Klimmzuggeräte, Latzug, Widerstandsbänder, deine beste Freundin.

Besonders die letzten beiden Optionen werden dich auf dem Weg zum ersten Klimmzug optimal unterstützen. Die geführte Bewegung an eine Klimmzugmaschine oder der lediglich ähnliche Bewegungsablauf am Latzug helfen dir zwar bei der Stärkung des Rückens, werden dich aber nicht bis zu deinem ersten Pullup bringen. Denn wer einen Klimmzug lernen will, der muss an die Stange.

Deshalb solltest du vom ersten Tag an an der Klimmzugstange trainieren. Für den Anfang empfiehlt es sich, verschieden starke Widerstandsbänder (Klimmzugbänder findest du bei uns im Shop) für das Training zu nutzen. Auch wenn ein Trainingspartner dich auf dem Weg nach oben unterstützt, kannst du dich gut an die Bewegung gewöhnen.

Das gibt außerdem einen zusätzlichen Motivationsschub, der dein Ziel noch schneller in greifbare Nähre rücken lässt.

Zu viel Schnickschnack stört den Fortschritt

Wenn du immer nur mit Widerstandsbändern oder anderer Unterstützung trainierst, dann wird das zwar deine Muskulatur kräftigen und dir die Bewegung näherbringen – es wird dich aber auch ausbremsen.

Deshalb ist es wichtig, dass du zusätzlich auch ohne Hilfe an der Stange hängst. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn schon das Halten der oberen oder mittleren Position kann dich dem ersten Pullup näherbringen.

Springe nach oben , halte die Position kurz und lasse dich ganz langsam herunter. Außerdem solltest du einfach die Bewegung beginnen – auch, wenn du es noch nicht mit dem Kinn über die Stange schaffst. Jeder Zentimeter bringt dich näher an dein Ziel.

Zugreifen will gelernt sein

Auch die mangelnde Griffkraft wird Frauen, die einen Klimmzug lernen wollen, häufig zum Verhängnis. Hier gilt es, konsequent an den Schwachstellen zu trainieren.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, für besseren Halt an der Stange zu sorgen. Die Griffkraft verbesserst du am besten, indem du dich einfach an die Stange hängst und dort so lange wie möglich baumelst – das wird dir schnell zu mehr Kraft verhelfen.

Ansonsten gibt es auch die Möglichkeit, mit Zughilfen, Handschuhen oder Kreide nachzuhelfen. Das ist aber besonders für den Anfang nicht zum empfehlen, denn dann wirst du Klimmzüge nur mit Hilfsmitteln absolvieren können.

Auch Frauen gehören an die Stange

Und damit ist nicht die vertikale Variante gemeint. Klimmzüge gestalten sich für Frauen schwieriger, sollten aber trotzdem zum Trainingsprogramm gehören – denn sie sind einfach eine der effizientesten Übungen für den oberen Rücken, die Arme und Schultern.

Der weibliche Körperbau, der etwas höhere Körperfettanteil und die generell etwas schwächer ausgeprägte Veranlagung zum Kraftaufbau bei Frauen ist dabei keine Ausrede. Denn wenn du es wirklich willst, dann wirst du auch einen Pullup schaffen.

Das „Geheimnis“ ist eigentlich keines: Geduld, kontinuierliches Training an der Stange und ein starker Willen führen zwangsläufig zum Erfolg. Also lass dir von niemandem einreden, dass Frauen nicht für Klimmzüge gemacht sind.

Sei stärker als die meisten anderen Frauen. Denn was ist beeindruckender als ein sauberer Klimmzug?


Bildnachweis: Thinkstock / ©Dmitrii Kotin / iStock



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