Zughilfen - Klimmzüge

Ein jeder fortgeschrittener Trainierende kennt diesen Zustand während eines harten Rückentrainings. Die ersten Übungen sind absolviert und es geht so langsam auf die Zielgerade. Doch obwohl der Rücken noch belastbar ist, ist an ein weiteres Rückentraining nicht mehr zu denken: Die Hände wollen einfach nicht mehr.

Bei anderen ist die Griffkraft schon vorher der limitierende Faktor und eine maximale Belastung des Rückens wird dadurch verhindert. Während nun einige Trainierende zu Zughilfen greifen, wollen andere Trainierende von solchen Hilfsmitteln nichts wissen.

Im Folgenden sollen die verschiedenen Zughilfen vorgestellt werden und die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Zughilfen diskutiert werden.
 

Welche Zughilfen sind besser: Haken oder Bänder?

Im Großen und Ganzen gibt es zwei verschiedene Arten von Zughilfen. Zum einen gibt es Zughilfen in Form von Stahlhaken, welche sich an die Hantelstange anhaken können. Zum anderen gibt es Zugbänder, welche um die Stange gewickelt werden müssen.

Beide Formen haben spezielle Vor- und Nachteile, der Zweck bleibt allerdings gleich. Durch die Übertragung der Gewichtskraft mittels des Hakens oder der Bänder direkt zum Handgelenk werden die Hände entlastet, sodass mehr Gewicht gezogen werden kann.

Klimmzughaken: Vor- und Nachteile

Die Haken sind in der Regel teurer als Zugbänder, wobei insbesondere die große Preisspanne bei den Bändern dort Ausnahmen zulassen. Dafür erkauft sich der Trainierende ein Plus an Bequemlichkeit, denn die Haken müssen zur Verwendung nicht aufwändig um die Stange gewickelt werden.

Nachteilig wirkt sich allerdings der Umstand aus, dass die Hände bei den Haken komplett entlastet werden. Dabei geht das Gefühl zur Hantelstange nahezu komplett verloren, was viele Trainierende nicht mögen. Außerdem muss hier die Qualität stimmen, ansonsten kann es bei hohen Gewichten zu Verformungen des Stahlhakens kommen.

Zughilfen als Bänder: Vor- und Nachteile

Die Bänder sind wie oben erwähnt in einer größeren Preisspanne erhältlich. Gute Modelle finden sich auf Messen oder in Onlineshops für teilweise unter 10 Euro. Höherwertige Lederriemen halten oftmals ein Kraftsportleben lang und kosten circa 30 Euro. Ärgerlich ist bei den teuren Modellen nur, wenn sie einmal im Fitnessstudio vergessen und von weniger ehrlichen Zeitgenossen mitgenommen werden.

Das Wickeln um die Stange muss anfangs etwas geübt werden, dann ist es schnell eine Selbstverständlichkeit. Die Bänder wirken beim Training unterstützend und entlasten die Hände nur anteilig. Eine gewisse Griffkraft wird immer aktiviert, um das gewickelte Band auch an die Stange zu pressen.

Gerade bei günstigeren Modellen ist die Dauerhaftigkeit der Bänder ein kleineres Problem. Nach Jahren intensiver Nutzung rauen sich die Fasern an der Schlaufe auf, sodass sie irgendwann unbrauchbar werden. Im Anbetracht des geringen Preises ist dieses Problem allerdings nicht wirklich bedeutend.

Griffkraft futsch und dünne Unterarme durch Zughilfen?

Wie eingangs schon erwähnt stehen Zughilfen nicht bei allen Trainierenden hoch im Kurs. Einige Kraftsportler haben den Standpunkt, dass besser keine Zughilfen genutzt werden sollten, um die Griffkraftentwicklung nicht zu bremsen. Auch würde eine häufige Nutzung von Zughilfen dazu führen, dass die Unterarme dünn und schwach bleiben. Diese Vorwürfe erschrecken natürlich erst einmal und sollten von daher näher untersucht werden.

Fakt ist, dass bei Nutzung von Haken als Zughilfen (auch Klimmzughaken genannt) tatsächlich keinerlei Griffkraft mehr benötigt wird. Bei Bändern sieht das schon anders aus, die Griffkraft wird immer noch benötigt, um das gewickelte Band an die Stange zu pressen. Durch das Band erhöht sich sogar noch der Querschnitt der Stange künstlich, was prinzipiell anstrengender wirkt. Ein Mittrainieren der Griffkraft ist also noch vorhanden, die Zugbänder wirken nur unterstützend.

Prinzipiell muss sich jeder Trainierende sowieso fragen, ob er viel Griffkraft braucht. Rein funktionell dürften nur Handwerker und Kletterer eine große Griffkraft benötigen, wobei diese die Griffkraft auch im Beruf beziehungsweise anderem Hobby genügend trainieren. Wer sich also nicht dazu zählt, bedarf auch nicht außergewöhnlicher Griffkräfte und muss sich mit diesem Einwurf nicht auseinandersetzen.

Wie wirken sich Zughilfen auf die Unterarme aus?

Dass die Zughilfen allerdings daran Schuld haben könnten, dass die Unterarme nicht wachsen, ist für viele Bodybuilder ein ernstzunehmendes Argument. Doch vorneweg soll Entwarnung gegeben werden, denn nicht nur die Griffkraft bestimmt das Unterarmvolumen.

Zuerst soll allerdings auf die obige Aussage verwiesen werden, dass beim Training mit Bändern als Zughilfen sehr wohl die Griffkraft mittrainiert wird. Des Weiteren besteht der Unterarm aus einer Vielzahl an kleinen Muskeln, die verschiedene Aufgaben zu erfüllen haben. Nur ein Teil davon koordiniert das Zugreifen der Hand.

Viele Muskeln sorgen auch für die Drehung und das Abknicken des Handgelenks, welche bei vielen Zugübungen nicht wirklich trainiert werden. Gefordert sind diese Muskeln vor allem bei schweren Druckübungen mit Kurzhanteln. Hier sorgen diese Muskeln dafür, dass die Hantel in der Hand in Position bleibt und das Handgelenk nicht abknickt oder sich falsch dreht.

Die dicken Unterarme der erfahrenen Bodybuilder resultieren sehr oft daraus, dass sie gerne schwer mit Kurzhanteln drücken.

Vorteil von Zughilfen: Fokus auf die Übung

Die Nachteile von Zughilfen wurden bis hierhin ausreichend dargestellt und diskutiert, nun sollen auch noch einige Vorteile eingebracht werden. Wie eingangs schon erwähnt ist ein sehr großer Vorteil von Zughilfen, dass sie ein Rückentraining bis zum Schluss ermöglichen, wenn die Griffkraft schon längst zu Ende ist. Doch bereits schon vorher sorgen die Zughilfen für Entlastung, nämlich für eine Art mentale Entlastung.

Insbesondere schwere Zugübungen wie Kreuzheben oder vorgebeugtes Rudern erfordern vom Trainierenden viel Konzentration in die Übungsausführung. Diese soll auch bei schweren Gewichten oder kurz vor dem Muskelversagen nicht schlechter werden. Doch wenn nun bei diesen Übungen mitten im Satz die Hände aufgehen und die Hantelstange langsam aus den Fingern gleitet, dann verschiebt sich die Konzentration automatisch weg von der Übungsausführung und hin zum Aufrechterhalten der Griffkraft.

Die Folgen können fatal sein, wenn bei Kreuzheben oder vorgebeugtem Rudern mit hohen Gewichten die Übungsausführung schlecht wird. Mit Zughilfen liegt die Hantelstange während der gesamten Satzdauer sicher in den Händen und der Trainierende kann sich alleine auf die Übungsausführung konzentrieren.

Des Weiteren ist in manchen Fällen auch gar nicht die Griffkraft das Problem, vielmehr führen schweißnasse Hände dazu, dass die Hantelstangen plötzlich rutschen. Leider ist in vielen Fitnessstudios die Benutzung von Magnesia, wie es die Gewichtheber und Kletterer benutzen, nicht erlaubt oder ungern gesehen. Auch hier bieten Zughilfen eine Lösung.
 

Fazit: Zughilfen nutzen, am besten Bänder

Die Beleuchtung von Vor- und Nachteilen von verschiedenen Zughilfen ist nun abgeschlossen, es wird Zeit für ein Fazit. Zughilfen, insbesondere Bänder, sind ein willkommenes Hilfsmittel um Effektivität und Effizienz im Rückentraining zu erhöhen. Zudem können sie dabei helfen, eine bessere Übungsausführung auch mit schweren Gewichten hinzubekommen.

Dass bei Verwendung die Griffkraft etwas weniger trainiert wird, dürften viele Kraftsportler bedenkenlos hinnehmen können. Das mit weniger Griffkraft die Unterarme automatisch dünner werden, ist ein weitläufiger Mythos, welcher hier entkräftet wurde. Die somit vielfach hervorgerufenen Nachteile erweisen sich entsprechend als haltlos und müssen bei den Überlegungen zum Zughilfen-Einsatz nicht zwingend beachtet werden.

Zusammenfassend kann nur gesagt werden, dass sich eine Anschaffung für Fortgeschrittene definitiv lohnt, um sich auf ein neues Niveau beim Rückentraining zu begeben. Dies trifft sowohl auf maximale Trainingsgewichte als auch die Länge des Rückentrainings zu.


Bildnachweis: Thinkstock / Ron Chapple Stock



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